666

«Und es bringt alle dahin, …, dass man ihnen ein Malzeichen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn gibt; und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, als nur der, welcher das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl des Tieres. … Denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666.» (Offenbarung 13,16-18)

Lässt man das Spekulieren über die Zahl einmal beiseite, fällt auf, dass hier eher nicht von einem Diktator die Rede ist, sondern dass er alle (das ganze Volk) dahin bringt (sie wollen es), dass man (Behörden, Ärzte?) ihnen ein Malzeichen gibt (nicht gewaltsam aufdrückt), ohne welches man vom Wirtschaftsleben abgeschnitten ist.

Das Malzeichen wird demnach als etwas Positives aufgefasst und man lässt es sich offenbar freiwillig anbringen.

Im angefügten Artikel von Thomas Lachenmaier «Der Wille des Menschen geschehe» (factum 5 / 2021) wird die fortschreitende Digitalisierung des Menschen thematisiert. So wird er kontrollierbar.

Aktuell findet vielleicht sogar die Mehrheit der Bevölkerung eine Zertifizierung der Covid-Geimpften als überaus positiv, da man wieder voll am Wirtschafts-, v.a. am Konsumleben teilnehmen kann – koste es, was es wolle, auch die Freiheit (vor dem Staat).

Führen da etwa zwei Entwicklungslinien aufeinander zu, die in der Zahl 66 zusammentreffen? Der Verkauf der Freiheit für die vermeintliche Gesundheit und die technische Machbarkeit der Kontrolle?

Was wäre die dritte Entwicklungslinie? Thomas Lachenmaier betont, dass wir in einem Rechtsstaat nicht der Regierung zu gehorchen haben, sondern dem Recht.

Nur: Das demokratisch oder sonstwie gesetzte Recht, also das Gesetz, ist nicht immer und je länger je weniger richtig, sprich: Recht. Anders ist es einzig mit dem Gesetz Gottes, welches auch durchwegs richtig ist und bleibt.

Und wenn das staatlich gesetzte Recht so schnell wie oder schneller gar als die Moral erodiert und dem Recht, also dem Gesetz Gottes widerspricht, wem gehorchen wir dann?

Könnte die dritte Entwicklungslinie im postchristlichen Staat die gegen das biblische Gesetz normierte Gesetzlosigkeit, also das sich als Recht tarnende Unrecht sein, welches eben die Menschen dazu bringt, ihre Freiheit zu verkaufen? Ist ja alles legitim, wurde ja alles demokratisch angeordnet, ist ja alles Gesetz.

Und wer sich an das (richtige) Recht hält, fällt je länger je mehr aus dem Rahmen, auch aus dem Bilderrahmen des ersten Tieres (Offb. 13, 15).

Der Glaube als Werk Gottes

Der Glaube an Jesus Christus ist das Werk Gottes

Im www.theoblog.de kommt immer wieder einmal die Kontroverse Calvinismus/unfreier Wille/Auswahl Gottes gegen Arminianismus/freier Wille/Heilswahl des Menschen auf.

Unter dem Titel „Warum dankt Paulus Gott für den Glauben?“ vom 6. August 2020 schrieb ich:

„Der Glaube ist nicht nur Geschenk Gottes (welches der alte Adam nicht annehmen kann, weil er nicht aus Gott ist, Jo 8,44+48), sondern auch Gabe, die nicht aus uns ist (Ep 2,8, so auch die Annahme) und: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ (Jo 6,29).“

J. meinte dazu: „Werke Gottes“ in Jh 6,28, sind nicht Werke, die Gott tut, sondern solche, die er fordert. Folglich gilt dasselbe auch für V. 29.“

Und R. schrieb: „@J…: Würde ich auch so sehen. Ohne Glaube an den Christus ist alles vergebens. Glaube nicht im Sinne von Leistung o. Verdienst, sondern Vertrauen auf den Retter. Nicht auf Gesetzeswerke kommt es an (so die Erwartung in V. 28, sondern auf den Glauben. Gott selbst gibt, was er verlangt. Von daher auch Joh 6,44. Liebe Grüße, R.“

Ausgangspunkt ist die Speisung der Fünftausend am Vortag (Joh. 6,1 ff.), die Suche der Juden und die Aufforderung Jesu, V. 27: «Wirkt nicht (für) die Speise, die vergeht, sondern (für) die Speise, die da bleibt ins ewige Leben, die der Sohn des Menschen Euch geben wird! Denn diesen hat der Vater, Gott, beglaubigt.»

Jesus fordert also zu einem Wirken auf, griech. Medium oder Deponens, d.h. von aussen herangetragen, was mit dem Geben der Speise durch ihn übereinstimmt, wohinter der Vater steht.

In Joh. 6,28 fragen die Juden deshalb zutreffend nach den Werken Gottes, um die es tatsächlich geht, wenn sie ewig «halten» sollen, doch eben nicht nur danach: „Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes wirken?“

Eine sicher ernst gemeinte, aber eben auch zutiefst religiös-fleischliche Frage auf der jüdischen Linie der Aufrichtung der eigenen Gerechtigkeit (Röm. 10,3) auf der Basis des Buchstabens (Gesetz von aussen) durch die eigene Anstrengung für Gott, zu eigenem Ruhm, zur vermeintlichen Selbsterlösung. Die Juden wissen zwar, dass nur die Werke Gottes ewig bleiben und es gilt, diese zu halten, und sie wollen das auch, sie drehen aber die Ausgangslage um: Statt der Gabe Jesu/s stellen sie ihr Tun an den Anfang, weil sie davon ausgehen, Gott wenigstens zum Teil genügen zu können; damit verstossen sie gegen das erste Gebot und halten das Gesetz Gottes gottlos.

Jesus Christus beantwortet fleischliche Fragen niemals fleischlich, sondern er antwortet auf alles aus der göttlichen Perspektive: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh. 10,30). Deshalb kann man von der Frage der Juden in Vers 28 nicht auf seine geistliche Antwort in Vers 29 schliessen, wie man mit Finsternis nicht das Licht erhellen kann, sondern umgekehrt: die Frage wird durch die Antwort entblösst.

Jesus setzt zur menschenzentrierten, religiös-fleischlichen Frage einen geistlichen Kontrapunkt aus der Sicht Gottes. Dieser ist der Ausgangspunkt alles Guten und der Geber der in seiner Kraft zu wirkenden Speise ins ewige Leben. Das Ausgangswerk oder die Ausgangsgabe ist der Sohn, den er gesandt hat und der Glaube an den Sohn, und zwar kein selber angeeigneter Glaube, wie die arminianisch Angehauchten meinen, sondern ein Glaube als Gabe und Werk Gottes, der, in der Stellung und Haltung der Demut und Dankbarkeit, als Geschenk erkannt wird und der Frucht (Speise) ins ewige Leben umfasst, so man darin bleibt (Joh. 15,1 ff.).

Die Verse 28 und 29 sind schärfer als mit einem zweischneidigen Schwert (Heb. 4,12) zu trennen, und es gilt zu unterscheiden zwischen fleischlicher und geistlicher Gesinnung, zwischen denen, die aus sich selbst sind und denen, die aus Gott sind. Nur wer aus Gott ist, kann die Worte Gottes hören (Joh. 8,47).

Bei der Unterscheidung von Werken «aus Gott» oder «aus dem Menschen» handelt es sich nicht um eine faktische, denn aus Gott ist, was aus Gott ist, sondern es handelt sich um eine Frage der Erkenntnis und der Haltung, ob man (reformatorisch gesinnt) bereit ist, alles Gute als Gabe Gottes anzuerkennen und anzunehmen und alles, was aus dem Menschen ist, als böse bekennt und ablehnt, samt dem eigenen Leben (Matth. 16,14). Hier geht’s nicht um teils teils, sondern um alles, kein grau, sondern entweder Licht oder Finsternis, nicht um ein wenig Reue, sondern um Sterben und neu auferstehen.

Der alte Adam kann an Jesus glauben, weil er einen Nutzen für sich sieht; er hängt sich an den Baum des Lebens und möchte seine Früchte geniessen, nicht aber das Kreuz auf sich nehmen; er will den direkten Weg in den Himmel, ohne zu sterben. Ist der Glaube aber nicht aus Gott, kann er unmöglich Früchte der Ewigkeit tragen. Ein Evangelium ohne Kreuz (wie es heute weit verbreitet ist), lässt den alten Adam nicht sterben, es gibt keine echte Busse, keine Selbstverleugnung, keine echte Nachfolge Christi.

Das Gute ist das Gott Wohlgefällige, das aus und in Gott gewirkt ist, was er auch in seinem Gesetz ausgedrückt hat, welches nicht vergeht und dessen Erfüllung nur in Christus möglich ist (Joh. 15,9 ff.), womit das äussere Gesetz zu Ende ist, das innere aber aufgerichtet wird (Röm. 3,31, Gal. 2,16 richtig übersetzt mit «wenn nicht» oder «ausser»), sodass die Gebote nicht mehr schwer sind (1. Joh. 5,3), sondern Lust und Freude (Psalm 119, 69, 70, 97 etc.).

Die fehlende Unterscheidungsfähigkeit der Christenheit zeigt sich auch an der Wiedergabe von Joh. 6,29 durch moderne, menschenzentrierte Bibelübertragungen. Zur Übersetzung dieser Stelle ein Beitrag von Benedikt Peters im Sonderband des Bibelbundes Schweiz zum 15-jährigen Bestehen, S. 150 f:

»Joh 6,29 übersetzt Luther: „Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ – Hier übersetzt er die griechische Genitivverbindung direkt ins Deutsche. Damit lässt er beide Möglichkeiten offen, wie es der Urtext tut: „Werk Gottes“ kann als <Genitiv des Subjekts> aufgefasst werden mit der Bedeutung: „das Werk, das Gott tut“; es kann auch als <Genititv des Objekts> verstanden werden mit der Bedeutung: „das Werk, das Gott verlangt“. Hfa überträgt die Aussage im anthropozentrischen Sinn: „Nur eines erwartet Gott von euch: Ihr sollt an den glauben, den er gesandt hat.“ Aus dem Werk, das Gott wirkt (Glauben), wird eine Forderung, die der Mensch erfüllen soll.«

Also: Das Werk Gottes kann aus dem Griechischen als Werk von Gott an uns und als unser Werk, das Gott verlangt bzw. das Werk für Gott übersetzt werden. Beides stimmt grammatikalisch. Die Frage ist: Was stimmt geistlich?

  1. Wenn der (wahre) Glaube an Jesus Christus von Gott gewirkt ist, dann hat der Mensch diesen Glauben nicht mehr selber in der Hand. Wenn der Mensch aber nicht zuerst selber entscheidet, ob er an Christus glaubt oder nicht, dann entscheidet er auch nicht selber über die Annahme oder Verwerfung des Heils. Es geht hier also um die Kontroverse unfreier Wille oder freier Wille und: Auserwählung Gottes oder Heilswahl des Menschen.
  2. Lässt man die erste Möglichkeit weg, bleibt nur noch die andere Aussage: Dies ist das Werk, das Gott verlangt, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Damit ist der Glaube jedoch nach den Worten Jesu eindeutig ein Werk. Weil Paulus aber so deutlich schreibt, dass man nicht aus Werken, sondern durch Glauben gerechtfertigt wird (z.B. Röm. 3,28; 11,6; Eph. 2,9; Gal. 2,16 falsch übersetzt mit «sondern nur»), kann nicht sein, was Christus gesagt und der Heilige Geist bezeugt hat. Viele, besonders moderne Bibelübertragungen, gehen von der fleischlichen Variante von Joh. 6,29 im Sinne einer anthropozentrischen Antwort auf eine anthropozentrische Frage aus, blenden aber trotzdem den Glauben als Werk an dieser Stelle einfach aus, obschon es da so steht.

Die Fleischlichkeit wird mit einer Scheingeistlichkeit übertüncht, indem man es vermeidet, im Zusammenhang mit dem Glauben von einem Werk oder Werken zu sprechen, weil man in reformatorischer Tradition (inklusive arminianisch evangelikaler Richtung) nicht zwischen Gesetzeswerken (aus sich selbst) und Glaubenswerken (aus Gott), nicht zwischen Gerechtsprechung und Gerechtmachung (Heiligung), nicht zwischen juristischer Rechtfertigung und tatsächlicher, wirksamer Rechtfertigung unterscheidet. Nur weil man freigesprochen ist, ist man noch nicht frei; der Freispruch muss vollzogen werden, dafür muss man noch etwas tun bzw. bewirken.

So stark ist die Tradition und die generelle Ablehnung der Werke zur Erfüllung des Gesetzes als Heilsvoraussetzung, dass man nicht erkennen will, dass Paulus mit Gesetzeswerken nicht das Gesetz verwirft (das wäre gegen Christus), sondern nur die Einhaltung des Gesetzes aus eigener Kraft verwirft, zu eigenem Ruhm, zur eigenen Gerechtigkeit, zur Selbsterlösung. So wirft er den Juden, die nicht über die fleischliche Frage von Joh. 6,28 hinausgekommen sind, vor, ihre eigene Gerechtigkeit aufrichten zu wollen und sich nicht der Gerechtigkeit Gottes zu unterwerfen (Röm. 10,3), ein Verstoss gegen das erste Gebot.

Die Glaubenswerke dagegen gehören zum Glauben (Jak. 2,14 ff), welcher ohne die Werke tot ist (so auch Joh. 15,2) und welcher, geistlich erkannt, selber das Werk Gottes an uns ist. Diese Werke sind aus Gott. Dieser und nur dieser Glaube ist eine Gabe, ein Geschenk Gottes, welcher mit seinen Werken zusammen vollkommen ist (Jak. 1,17 und 2,22).

Soll das Werk in Joh. 6,29 beides sein, also das Werk Gottes an uns wie auch unser Werk für Gott, dann kann dieser Glaube an Christus auf keinen Fall aus dem Menschen selber, d.h. aus dem alten Adam und aus (gott-) freiem Willen (Joh. 1,13) sein, denn das wäre ein fleischliches Werk zur eigenen Gerechtigkeit im Sinne von Vers 28 (es gibt solchen Glauben, vgl. etwa Matth. 7,21); sondern es muss ein Werk aus dem Vater im Werk des Vaters sein, der zu Christus zieht (Joh. 6,44), so Eph. 2,8-10:

„Denn aus Gnade sei ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“

Meint Joh. 6,29 (griechisch möglich) also beides, der Glaube an den Sohn ist das Werk des Vaters für uns wie auch unser Werk für den Vater, dann geht ersteres immer voraus und ist immer grösser als letzteres, umfasst es also, und letzteres ist immer aus dem ersten und im ersten.

Wir müssen uns immer wieder fragen, ob wir mehr an unseren Glauben glauben oder an Gott? Kommen wir dereinst in den Himmel und sagen: „Gott, ich habe Dir geglaubt, dafür bekomme ich das ewige Leben.“ Oder sagen wir: „Vater, danke, dass Du mir den Glauben an den Sohn und das ewige Leben geschenkt hast“?

Der Glaube an den Sohn Gottes ist von Gott gewirkt: Er zieht uns zum Sohn, übergibt uns dem Sohn, Er schafft in uns ein neues Herz (Luk. 8,15: der gute Boden ist zuerst da!), welches das Wort Gottes aufnehmen kann, sodass es Frucht bringt (Joh. 15,1-8), das sind die Glaubenswerke, was wiederum die Erfüllung des Gesetzes ist (Joh. 15,9-17; Gal. 5,14), was unsere Gerechtmachung und Heiligung durch Gott ist, deren Ende ewiges Leben ist (Röm. 6,22 f.).

Der Glaube selber ist tatsächlich ein Werk, wenn man ihn so umfassend versteht wie Jakobus (Jak. 2, 14 ff) – und Paulus (Gal. 5,6) und Christus (Matth. 7,24 ff.). Die Glaubenswerke gehören begriffsnotwendig zum wahren Glauben. Entscheidend ist: Gott geht in allen guten Werken immer voran! Wir folgen glaubend. Nur wo Gott vorangeht, ist Licht, Wahrheit und Leben. Wo der Mensch vorangeht, ist Finsternis, Sünde und Tod. Das gilt selbst für den selbsterwählten Glauben an Christus.